Kurzanalyse
Von der Helfer:in zur Fachkraft
20.07.2026
In Deutschland gibt es rund 4,6 Millionen geringqualifizierte Erwachsene – das sind 650.000 Personen mehr als im Vor-Corona-Jahr 2019 – ein Zuwachs um 17 Prozent. Diese Menschen ohne Abschluss haben nur geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Ihre Arbeitslosenquote liegt bei 21,3 Prozent und damit 6-mal so hoch wie die von Menschen mit Berufsausbildung. Oft arbeiten sie in Helferjobs und oder im Niedriglohnsektor. In Branchen wie zum Beispiel dem Verkauf gibt es mehr arbeitslose Helfer:innen als sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Der Ausweg besteht in der Qualifizierung, denn Fachkräfte haben dort, wo Helfer:innen auf der Strecke bleiben, wesentlich bessere Chancen.
Im vergangenen Jahr kam auf eine:n arbeitslose:n Helfer:in weniger als eine Stellenanzeige (0,69) – noch weniger als im Corona-Jahr 2020. Für Fachkräfte waren es knapp fünf offene Stellen pro arbeitsloser Fachkraft. Aktuell werden arbeitslosen Fachkräften sieben Mal mehr Stellen angeboten als arbeitslosen Helfer:innen. Damit ist die Diskrepanz sogar größer als im Corona-Jahr 2020 (Faktor 5,7). Im Durchschnitt lagen in den Jahren 0,95 Stellenanzeigen pro arbeitsloser Helfer:in vor, bei Fachkräften waren es im Schnitt 5,32. Der Blick auf die vergangenen fünf Jahre zeigt zudem, dass die Stellen für Helfer:innen wesentlich stärker von der konjunkturellen Entwicklung der Wirtschaft in Deutschland abhängen und eine Erholung nach der Corona-Pandemie kaum stattgefunden hat.
Wie schlecht die Arbeitsmarktchancen für Helfer:innen sind, zeigt auch der Blick auf die Abeitslosen- und Beschäftigungszahlen im Helferbereich. Im Verkauf beispielsweise stehen den 115.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten rund 170.000 arbeitslose Helfer:innen gegenüber.
Die folgende Grafik zeigt, wie sich zentrale Arbeitsmarktkennzahlen für ausgewählte Berufe von 2019 bis 2025 entwickelt haben. Über die Filter können Region und Berufe individuell ausgewählt werden. Die Darstellung unterscheidet zwischen Helfer:innen und Fachkräften und zeigt die Entwicklung für beide Anforderungsniveaus getrennt.
Über die Reiter lassen sich verschiedene Kennzahlen betrachten: die Arbeitslosenquote, berechnet als Verhältnis der Arbeitslosen zur Summe aus Arbeitslosen und sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die absolute Zahl der Online-Stellenanzeigen sowie das Verhältnis von Online-Stellenanzeigen je Arbeitslose:n. Dadurch wird sichtbar, ob Veränderungen vor allem auf die Arbeitslosigkeit zurückgehen oder ob sich zugleich die Nachfrage nach Arbeitskräften verändert. Die farbigen Linien ermöglichen den Vergleich zwischen den Berufsgruppen und zeigen Unterschiede zwischen Helfer:innen und Fachkräften.
Bei den Fachkräften bewegen sich die Arbeitslosenquoten insgesamt auf einem deutlich niedrigeren Niveau. Die meisten Berufsgruppen liegen zwischen etwa 3 und 8 Prozent. Eine Ausnahme bildet der Objekt- und Personenschutz, der 2019 mit rund 23 Prozent sehr hoch startet, danach aber stark zurückgeht. Die höchsten stabilen Werte zeigen sich bei den Reinigungskräften, deren Arbeitslosenquote ab 2020 meist bei rund 10 bis 11 Prozent liegt. Insgesamt zeigt die Grafik für Hannover damit eine deutlich stärkere Arbeitslosigkeit im Helfer:innenbereich, während die Fachkräftequoten überwiegend niedrig und vergleichsweise stabil bleiben.
Die folgende Grafik zeigt, welche Kompetenzen in Online-Stellenanzeigen für einen ausgewählten Beruf besonders häufig genannt werden. Über den Filter kann der Beruf ausgewählt werden. Dargestellt ist jeweils der Anteil der Stellenanzeigen, in denen eine bestimmte Kompetenz gefordert wird.
Die Kompetenzen werden nach Häufigkeit sortiert und farblich unterschieden: Fachkompetenzen sind rot markiert, Soft Skills grün. Über die Reiter kann zwischen der kombinierten Top-10-Ansicht, den Fachkompetenzen und den Soft Skills gewechselt werden. So wird sichtbar, welche Anforderungen in einem Beruf besonders wichtig sind und ob eher berufsspezifische Tätigkeiten oder überfachliche Eigenschaften im Vordergrund stehen.
Die folgende Grafik zeigt, bei welchen Kompetenzen sich die Anforderungen an Fachkräfte und Helfer:innen innerhalb eines ausgewählten Berufs unterscheiden. Dargestellt ist jeweils der Anteil der Stellenanzeigen, in denen eine bestimmte Kompetenz genannt wird.
Für jede Kompetenz werden zwei Werte gezeigt: ein Punkt für Helfer:innen und ein Punkt für Fachkräfte. Die Linie zwischen den Punkten macht sichtbar, wie groß die Lücke zwischen beiden Anforderungsniveaus ist. Der angezeigte Prozentwert beschreibt den Abstand zwischen den Anteilen. Liegt der Punkt der Fachkräfte weiter rechts, wird die Kompetenz in Stellenanzeigen für Fachkräfte häufiger gefordert als bei Helfer:innen.
Über den Berufsfilter kann der betrachtete Beruf ausgewählt werden. Die Reiter unterscheiden zwischen Fachkompetenzen und Soft Skills. So wird erkennbar, welche Anforderungen besonders stark mit dem höheren Anforderungsniveau verbunden sind und wo sich die Profile von Helfer:innen und Fachkräften am deutlichsten unterscheiden.
In der individuellen Beratungssituation stellen sich folgende Fragen:
- Wie können bereits vorhandene Kompetenzen berücksichtigt werden?
- Welche TQ sollte gewählt werden, wenn bereits einzelne oder mehrere TQ vorhanden sind?
- Welche TQ sollten in welcher Abfolge ausgewählt werden, um möglichst viele Jobs zu erschließen?
Mit unserem Tool als Hilfestellung für die Beratung können diese Fragen beantwortet werden.
Das Tool unterstützt dabei, den nächsten sinnvollsten Schritt innerhalb eines individuellen TQ-Pfads zu bestimmen. Ausgangspunkt ist ein ausgewählter Beruf sowie die bereits absolvierten Teilqualifikationen. Darauf aufbauend zeigt das Tool, welche zusätzliche TQ rechnerisch die meisten weiteren Online-Stellenanzeigen erschließt.
Die betrachteten Regionen sind Teil des von der Landeshauptstadt München und der Region Hannover geförderten Modellprojekts „Jobmonitor vor Ort – Transformationsradar“, welches regionale Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt erfassen soll. In dem Projekt sollen aktuelle Fachkräftebedarfe und Kompetenzanforderungen der regionalen Unternehmen identifiziert werden – jeweils nach Berufen und Branchen sowie auch im überregionalen Vergleich. Hieraus sollen Ableitungen von Handlungsempfehlungen und Initiierung von Maßnahmen und Projekten für Unternehmen und regionale Arbeitsmarkt-Stakeholder resultieren (vgl. Modellprojekt Jobmonitor vor Ort - Transformationsradar ).